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Ist das Berechnen des Body-Mass-Index (BMI) noch immer die Formel für das Idealgewicht??

Urheber: VadimGuzhva

Sehr, sehr lange Zeit schon gilt der Body-Mass-Index als DAS Nonplusultra zum Berechnen von Unter-, Über- und Idealgewicht. Nicht verwunderlich, denn diese Maßzahl gibt eine recht einfache und nachvollziehbare objektive Bewertung des Körpergewichts in Relation zur Körpergröße.

Aber was genau besagt diese Kennzahl und kann sie wirklich zeigen, ob ich mein Idealgewicht habe oder nicht? Wie kann ich meinen Body-Mass-Index schnell und einfach berechnen? Gilt der BMI auch für Menschen, die über eine sehr große Muskelmasse verfügen?

Oder gibt es alternative Verfahren und Kennzahlen, die mich zuverlässiger auf einer Skala zwischen Untergewicht und Adipositas einsortieren?

Warum gibt es eigentlich diesen Hype um den Body-Mass-Index?

BMI, Körpermassenzahl(KMZ), Körpermasseindex (KMI) oder Quetelet-Kaup-Index: Alle diese Termini bezeichnen das Verfahren, das bereits 1832 von dem belgischen Mathematiker Adolphe Quetelet erfunden bzw. entdeckt und Anfang des 20. Jahrhunderts von einem gewissen Ignaz Kaup weiterentwickelt wurde.

Vereinfacht gesagt bezieht der BMI die Masse des Körpers auf das Quadrat der Körpergröße. Und weil mit dieser einfachen und durchaus zuverlässigen Formel quasi das Gewicht aller Menschen einfach zu vergleichen war, wurde der BMI schnell zu einem auch von Ärzten gerne angewandten Verfahren. Und sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO nutzt den BMI als Maßstab für Normalgewicht.

Und was genau ist der Body-Mass-Index?

Auch wenn diese Popularität des BMI durch viele wissenschaftliche Studien getragen wird: Der BMI ist nicht mehr und nicht weniger als ein grober Richtwert, da er z.B. weder Statur noch die individuelle Zusammensetzung der Körpermasse aus Muskel- und Fettgewebe berücksichtigt.

Dennoch gibt der BMI einen recht zuverlässigen, schnell zu ermittelnden und wissenschaftlich legitimierten Wert zur Bewertung der Leibesfülle. Das ist zumindest in etwa die Argumentation der erwähnten WHO, die die Grenzen von Unterernährung, Normalgewicht oder Fettsucht anhand des BMI klassifiziert hat.

Wie berechne ich meinen BMI und was sagt mir dieser Wert?

Der BMI errechnet sich aus einer einfachen Formel: Gewicht in Kilogramm geteilt durch Quadrat der Körpergröße in Metern.

Dabei gilt diese Körper-Masse-Zahl für Frauen und Männer gleichermaßen. Also kurz ausgerechnet: Eine 1,75 Meter große Person wiegt 75 Kilogramm. 75 geteilt durch 1,75 zum Quadrat ergibt demnach einen gerundeten BMI von 24,5. Wenn beispielhaft ausgewählte Größe und Gewicht auf Dich zutreffen: Glück gehabt und Glückwunsch!

Denn laut WHO gehörst Du mit einem BMI von 24,5 (gerade noch) zu den Normalgewichtigen. Denn ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 steht für ein normales Gewicht. Wer einen BMI-Wert von 25 überschreitet, muss als übergewichtig bezeichnet werden. Und ab einem BMI von 30 spricht die WHO von Fettsucht, bzw. Adipositas, die unbedingt ärztlich behandelt werden muss!

Aber natürlich spielen bei der Bewertung Deiner Figur mit Hilfe des BMI auch Dein Alter und Dein Geschlecht eine – selten passte dieses Wort derart gut: – gewichtige Rolle. Im Alter nimmt aus ganz normalen Gründen die Muskelmasse ab. Zudem haben Männer in jeder Lebensphase in der Regel einen höheren Anteil von Muskelmasse an der Masse des gesamten Körpers. Auch deshalb sind z.B. die Grenzen des Normalgewichts bei Männern etwas höher als bei Frauen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung definiert normales Gewicht bei Frauen daher bei einem BMI zwischen 19 und 24, bei Männern dagegen zwischen 20 und 25.

Wie aussagekräftig ist der BMI wirklich? Wann macht der BMI keinen Sinn?

Du hast bereits gemerkt: Auf jeden Fall gibt Dir der BMI einen (zumindest halbwegs) zuverlässigen und wissenschaftlich bestätigten Hinweis auf das Idealgewicht bei Deiner Körpergröße. Schwierig wird es mit dem BMI z.B. dann, wenn Du über einen überdurchschnittlichen Anteil von Muskelmasse verfügst. Dann werden Dir Waage und BMI schnell in Dein verdutztes Gesicht grinsen und sagen, dass Du verdammt dick bist …

Und auch ein anderes Beispiel aus der Wissenschaft verdeutlicht, dass der BMI nicht das Maß aller Dinge bzw. Körpergewichte sein kann und auch wohl nicht sein will: Obwohl unzweifelhaft mit Übergewicht viele Gesundheitsrisiken einher gehen, gibt es das Paradox des lebensverlängernden hohen Body-Mass-Index: Viele Studien haben gezeigt, dass Menschen mit – nach Definition durch die Grenzen des BMI – Übergewicht oder sogar Adipositas länger leben als Normalgewichtige!

Die Erklärung vieler Wissenschaftler für dieses scheinbar widersprüchliche Phänomen: Scheinbar kommt es nicht nur auf die Gesamtmasse an, sondern auch auf die Fettverteilung. Es gibt also „gutes“ und „böses“ Fett. Fettgewebe an Po oder Oberschenkel haben scheinbar keinen Einfluss auf die Entstehung von u.a. durch Übergewicht geförderten Erkrankungen im Herz- und Kreislaufbereich.

Unser (auch nicht gut aussehender) Speckgürtel am Bauch und an der Hüfte gibt dagegen Botenstoffe ab, die Entzündungen verursachen und sich negativ auf unseren gesamten Organismus auswirken. Eine Fett-Unterscheidung, die der BMI natürlich nicht leisten kann …

Gibt es Alternativen zum Body-Mass-Index?

Gerade für Athleten – wie z.B. Kraftsportler mit viel Muskelmasse, hoher Knochendichte und wenig Körperfett – hat der BMI oftmals nur wenig Aussagekraft. Daher haben sich einige andere Indizes zur Erkennung und zum Nachweis von Gewichtsproblemen und daraus resultierenden Gesundheitsrisiken etabliert. Besonders bewährt haben sich dabei in den letzten Jahren der Broca-Index, der Körperbau-Entwicklungsindex oder der Poderal-Index.

Je nach gewünschten Informationen findest Du dabei leicht das für Dich ideale Verfahren. Wenn Du z.B. Deinen Körperfett-Anteil regelmäßig überprüfen willst, sei Dir der Body-Adiposity-Index empfohlen. Diese als BAI abgekürzten Methode berücksichtigt neben der Körpergröße auch den Hüftumfang mit einer Formel: BAI = (Hüftumfang in cm) / (Körperlänge in m)1,5 – 18. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Verfahren, deren willkürliche Auswahl wie eine Ansammlung futuristischer Anglizismen klingt: Waist-to-Height Ratio, Area Mass Index, Body Shape Index …


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